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Hunde nicht aus Pfützen trinken lassen!

Abgesehen von Giardien, dem Leptospira interrogans Bakterium und Cyanobakterien kann sich ein Hund auch durch in Pfützen befindlichen Chemikalien vergiften. (Mineralöle, Insektizide usw). Folgenden Text sollte sich jeder Hundehalter durchlesen. Leider ein sehr trauriges Beispiel dafür was ein Hund erleiden kann wenn er verunreinigtes Wasser trinkt.

Dieser Text stammt von Herrn Andre Michas. Vielen Dank Herr Michas, das ich ihn auf meiner Seite veröffentlichen durfte!

Ich musste das schreiben. Um Euch, die Hunde haben, zu warnen eure Hunde aus Pfützen trinken zu lassen und um meine Sorgen runterzuschreiben. Es ist nicht leicht gewesen es zu schreiben und es wird nicht leicht sein es zu lesen. Wir hatten bis vor 2 Wochen 5 Hunde und wir waren glücklich dieses friedliche Rudel zu haben.

Ich habe immer geglaubt, mir passiert das nicht. Doch es ist nun geschehen. Machtlos, ausgeliefert, hilflos steht man neben seinem geliebten Hund und erspart ihm das jämmerliche ersticken das durch ein Insektizid verursacht wurde.
Das Insektizid verursacht zuerst eine Lähmung der Speiseröhre, dann läuft der Hund mit einem Katzenbuckel, die Kraft lässt innerhalb von 1-2 Tagen nach. Alles ähnlich dem Botulismus, ein von Bakterien ausgeschiedenes Toxin was sich in Sommermonaten in Pfützen ansammeln kann. Der Unterschied zu Botulismus ist, dass die Blutwerte recht konstant gut bleiben und erst zum Schluss absacken.
Es fing ganz harmlos eine Woche zuvor an. Unser Hund ein Briard im Alter von 7 Jahren hatte morgens so etwas wie Rückwärtshusten. Es verging schnell wieder und ich machte mir keine Sorgen. Am nächsten Tag erbrach er sein gesamtes Essen und würgte es wieder runter. Danach ging es ihm schlecht. Meine Frau ist Tierärztin und wir untersuchten ihn. Blut Röntgen Ultraschall. Nichts zu finden. Er würgte und schluckte immer wieder. Ich nahm mir ein paar Tage Urlaub und dachte bis zum Wochenende wird es ihm besser gehen. Abends ging er auf den Hinterbeinen recht steif und sein Zustand wurde schlechter. Wir fuhren um 22:00 Uhr in eine Tierklinik, da sein Zustand sich verschlechterte. Bei der Ankunft stieg er aus dem Auto als sei nichts. Ich grübelte, was tun? Reingehen ohne Symptome? Wir entschieden uns ein paar Meter zu laufen. Nach 200m. lief er mit einem Katzenbuckel und eigentlich wollte er nicht mehr laufen. Ich nahm ihn und habe ihn bis zum Eingang der Tierklinik getragen. Ab da ging es nur noch bergab. Nach der Untersuchung, auch dort Ultraschall und Röntgen, war die Diagnose unklar. Inzwischen hat sich ein Lungenflügel entzündet, was aber nicht die Ursache sein konnte. Am nächsten Morgen wieder in die Klinik. Meine Frau ging mit ihm rein und ich wartete wegen Corona draußen. Das Warten war fürchterlich und ich bangte um ihn. Nach fast 2 Stunden kam meine Frau raus. Gordon konnte noch laufen aber langsam. Die Diagnose war wieder ohne Befundung. Der Tag verlief grausig. Gordon ging es immer schlechter hatte aber noch Hunger und Durst. Der nächste Tag war der Freitag. Wenn nicht heute eine Diagnose gestellt wird, am Wochenende erst recht nicht. Ich rief in der Tierklinik der Universität München an und konnte sofort kommen. Der Vorteil, dass ich dort arbeite lässt sich bei der schnellen Terminvergabe nicht leugnen. Warum ich nicht direkt dorthin fuhr? Weil ich auch viele Tierärzte kenne die in der anderen Tierklinik arbeiten und ich beiden sehr vertraue. Nachdem ich die ersten Sätze zur Symptomatik dem behandelnden Arzt erzählte griff er schon nach 2 Sätzen ein und sagte, dass die Ursache nicht wie zuvor vermutet der Bauchraum sei, sondern der Kehlkopf oder Speiseröhre. Er sollte recht behalten. Nach einführen von Kontrastmittel und einem Röntgenbild war die Diagnose klar. Die Speiseröhre ist gelähmt. Der Lungenflügel ist durch fehlgeleitete Nahrung komplett entzündet. Die Ursache unklar und chronisch vererbbar konnte wegen der akuten Lähmung ausgeschlossen werden. Ich nahm unseren Hund wieder mit nach Hause. Die Behandlung wurde umgestellt. Kohletabletten gegeben und Dauerinfusionen und die Atmung mit Sauerstoff unterstützt. Wäre da nicht diese kleine Hoffnung gewesen, wäre der Zeitpunkt der Erlösung der bessere Weg gewesen. Wir können nicht die Zukunft sehen und so schwanden nun täglich die Hoffnungen. Langsam kam man in einen Zustand den man niemandem wünscht. Die Sorgen, die Hoffnung, die Angst alles auf einmal. Was wenn er es nicht überlebt, was wenn er gelähmt bleibt? Ich Stand morgens auf und das Erste was man machte, zu schauen ob er noch lebt. Und er lebte jeden Morgen. Seit Samstag fraß er nur sehr wenig. Wenn dann musste man ihn hochheben damit das Futter in den Magen rutscht. Ab Sonntag sammelte sich Wasser in seiner Lunge. Durch auf den Kopf stellen konnte man das Wasser auslaufen lassen. Danach ging es ihm wieder besser und manchmal wedelte er wieder mit dem Schwanz. Der Blick von ihm war Dankbarkeit und wenn man neben ihm hockte versuchte er zu einem zu kommen. Ich legte mich immer wieder neben ihn und wartete oft bis er schlafen konnte. Am Montag bat ich meine Frau für den Fall der Fälle alles da zu haben. Ich wollte nicht das er an Krämpfen stirbt oder auf andere grausame Weise.

Während ich das schreibe gehen mir Bilder durch den Kopf, Hunde in der Ukraine, in Tunesien, in der Türkei, in Asien, in Ungarn in Bulgarien die Vergiftet, erschlagen, erschossen, gehäutet oder lebendig verbrannt werden. Wir die uns diese Tierart selber gezüchtet haben, die sich ihn zum Begleiter gemacht haben, treten, missachten, töten dieses uns ausgelieferte Tier. Der Mensch ist zu aller undenkbaren Abscheulichkeit fähig.

Die Anzeichen des Sonntags, als er sich aufraffen wollte und versuchte aufzustehen waren am Montag dahin. Nichts war mehr davon da. Er lag müde abgeschlagen da und schlief. Immer häufiger verschluckte er sich was zuvor 1- oder 2-mal am Tag war jetzt 5-mal. Die Angst war da, ich hatte fürchterliche Angst diesen geliebten Hund zu verlieren. Meine Frau versuchte alles, alles wurde versucht. Eine stabile Lage ein anderes Schmerzmedikament, mehr Infusionen und am nächsten Morgen ging es ihm recht gut er atmete ruhig und sah einen an. Doch dann ging es plötzlich los. Er schnappte nach Luft. Ich erhöhte den Sauerstoff meine Frau hielt ihn hoch und ich sah die Zunge. Sie färbte sich. Ich erhöhte noch einmal den Sauerstoff und bat meine Frau es zu beenden. Sie wollte noch ein anderes Medikament spritzen und ich fragte wozu? Wir machen uns was vor. Die Atmung setzt aus. Er stirbt, und wenn wir nicht handeln sehr grausam.
13:32 Dienstag der 14. Juli 2020 mein geliebter Gordon, mein Schmuser, mein Draufgänger, mein schöner Briard. Alles ist verloren. Er ist gegangen, für immer. Er ist ganz ruhig in meinen Armen eingeschlafen. Wir haben ihn gehalten bis zum letzten Pulsschlag und noch einige Minuten länger.

Ich bin raus. Raus aus dem Haus und habe geschrien. Meine Wut auf die Bauern, die Insektizide spritzen als sei es Wasser, habe ich rausgeschrien, einen Weinkrampf bekommen. Ich hockte auf der Wiese und weinte. Ich wünschte die Uhr zurückdrehen zu können. Ich wünschte es wäre nicht wahr.

Diese kranke Welt die sich selbst vergiftet. Irgendwo in irgendeiner Pfütze hat er es aufgenommen. Nicht mehr nachvollziehbar wann und wo. Unnötig, sinnlos und so hilflos dem ausgeliefert. Nicht nur Gordon wird durch diese Pfütze neben irgendeinem Feld gestorben sein. Auch Vögel, kleine Säuger wie Igel, Hasen, Füchse. Alle die aus dieser Pfütze getrunken haben werden grausam gestorben sein.

Geht weg von Pfützen neben Feldern, in Sommermonaten von allen Pfützen. Wenn euer Hund draußen aus einer Pfütze getrunken hat und er bekommt Schluckbeschwerden auch ein oder 2 Tage später, sagt eurem Tierarzt ihr vermutet eine Vergiftung, deutet auf eine eventuelle Lähmung der Speiseröhre hin, die Chancen ab da sind schon gering. Passt auf Eure Vierbeiner auf und seid dankbar sie bei Euch zu haben.
Für Gordon. *3.4.2013 †14.7.2020

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